Silent Hills im Fegefeuer der Eitelkeiten

Ich gehöre zu den Leuten, die sagen, dass Silent Hill 2 das beste Spiel der Serie ist. Da spielt zwar auch eine gewisse romantische Nostalgie mit, aber es ist für mich immer noch eines der besten Horrorspiele aller Zeiten. Danach musste ich lange suchen und zugegeben auch viel Müll spielen, bis ich mal wieder etwas hatte, dass an Silent Hill 2 herankam. Die Serie an sich hat sich für mich (leider) von Teil zu Teil verschlechtert. Es ist natürlich eine enorme Bürde gewesen und die wenigsten Spiele schaffen es eine hohe Qualität über mehrere Jahre zu halten. Silent Hill hat aber nie wieder wirklich zu alter Form gefunden. Hier und da blitze es mal auf, diese wunderbare schaurig schöne Atmosphäre, aber dennoch hatte ich seit einigen Teilen das Gefühl, dass sich die Serie abnutzte. Die berühmte Kuh, die gemolken wird, bis sie keine Milch mehr gibt. Ein Schicksal, dem sich so manche Spielreihe ergeben musste. Doch dann kam der 12. August 2014 und die ersten Berichte über eine sogenannte P.T. Demo machten sich im Netz breit. Mit dieser Demo wurde ein neues Kapitel für die Silent Hill Reihe eingeläutet. Silent Hills sollte das neue Spiel heißen und die Demo war ein erster Vorgeschmack. Die Nachricht, dass Guillermo del Toro zusammen mit Entwickler Hideo Kojima das Spiel produzieren würde, war für mich dann Grund genug P.T. anzusehen und ich wurde nicht enttäuscht.

“My voice, can you hear it?
This sign, can you read it?
I’ll wait forever if you’ll just come to me.”

Nach monotoner Gruselei war P.T. wie ein Ruck, der durch die Branche ging. Mit Lob überschüttet und auch dank der prominenten Namen von del Torro und The Walking Dead Star Norman Reedus, der die Hauptrolle im Spiel übernahm, auch ins Rampenlicht gezogen, zeigte P.T., was alles machbar ist. Wenn ein Teaser, eine kurze kostenlose Demo schon so viel bewegen konnte und in wenigen Spielstunden mehr Stimmung machte, als es manche Vollpreisspiele vermochten, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder zerbricht es an den hohen Erwartungen oder es wird eines der besten Spiele aller Zeiten. Da ich ein großer Fan von del Toro bin und seine Filme eigentlich durch die Bank weg toll finde, war ich davon überzeugt, dass es letzteres wird. P.T. war und ist Unterhaltung für Erwachsene mit einer Inszenierung, wie ich sie mir in der heutigen Zeit bei Videospielen öfters wünschen würde.

Doch jetzt ist dieses tolle Werk, schon bevor es überhaupt richtig fertig werden konnte, Geschichte. Konami und del Toro arbeiten nicht mehr zusammen. Kojima verlässt wohlmöglich das Unternehmen und alle fragen sich, was da passiert ist. Konami hält sich bedeckt. Bedauern hört man dagegen von del Toro:

Und Darsteller Norman Reedus über Twitter:

Die Gerüchte kursieren in den Foren und irgendwie kann sich kaum einer einen Reim auf diese Entscheidung machen. Denn wie Konami verlauten lies, will man die Reihe nicht einstellen, sondern weiterhin daran arbeiten und irgendwie würde man auch noch mit del Toro sprechen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass es von der eigentlichen Idee nicht mehr viel haben wird und diese „Gesprächsbekundungen“ klingen auch eher nach dem Vertrösten enttäuschter Fans. Im PS Store wird die P.T. nur noch bis Mittwoch erhältlich sein. Wer das Spiel bisher also nicht gespielt hat, sollte dies nachholen. Ich habe mich damals zusammengerissen und meinen Mut gesammelt und es komplett durchgespielt. Darüber bin ich froh, denn diese Entwicklung mit ihrer brillanten Gruselstimmung ist etwas für die Ewigkeit. Ich werde gerne von P.T. erzählen und daran erinnern, dass Silent Hills die Serie nicht nur hätte wiederbeleben können, sondern auch eine neue Qualität des Horror-Genres geschaffen hätte. Zu einem Teil hat es das schon jetzt. Viel ärgerlicher finde ich es dagegen, dass die Branche sich etwas unreif präsentiert und erst Größen aus Hollywood holt, die zeigen, was man noch aus den Titeln rausholen kann und es dann so enden muss. Da ist Konami kein Einzelfall, dass haben vorher schon andere Firmen hinbekommen, aber in diesem Fall macht es einen erstrecht traurig, denn das erste Ergebnis machte Lust auf mehr. Einen Grund gibt es auf den ersten Blick jedenfalls nicht. Vielleicht hat del Toro die guten Metal Gear Solid-Löffel geklaut, aber Spaß beiseite… Ob es am Ende zwei große Egos waren, die keine Lust mehr aufeinander hatten und „künstlerische Differenzen“ diese Zusammenarbeit unmöglich machten, Budget-Streitigkeiten oder doch vielleicht etwas ganz anderes, ist am Ende eigentlich egal. Der Leidtragende ist in diesem Fall der Spieler, denn der wird um ein grandioses Produkt gebracht.

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