The Walking Dead: Das Clementine-Problem

Ich mag ja The Walking Dead. Von den Comics über die Serie bis hin zu den Spielen von Telltale. Was die Entwickler besonders in der ersten Staffel auf die Beine gestellt haben, hatte wirklich ganz viel Qualität. Bisher habe ich mich fast nach jeder Episode erstmal einige Minuten sammeln und meine Gedanken ordnen müssen. Die erste Staffel der The Walking Dead-Reihe von Telltale Games war grandios. Und so ist am Ende wie immer, wenn ein gutes Produkt eine Fortsetzung bekommt, die erste Frage: Bleibt die hohe Qualität erhalten?

Vorsicht Spoiler!

Ich habe mich oftmals mit meinen Kollegen und Freunden nach dem Ende der ersten Staffel über mögliche Fortsetzungen unterhalten und eines habe ich immer gesagt: Mit Clementine würde ich nicht als Hauptcharakter weitermachen. Wir hatten unsere Zeit mir ihr und die Story war packend. Ich habe gerne mit ihr und Lee gelitten und sie durch den harten Zombie-Alltag begleitet. Doch in der zweiten Staffel wollte ich Clem nicht spielen. Mein Wunschszenario hätte viel subtiler ausgesehen. In der Haut eines anderen Charakters hätte ich Clem gerne noch einmal gesehen. In einem Camp mit ihren Freunden. Ich hätte einfach an ihr vorbeigehen können, nur um zu sehen, was aus ihr geworden ist und mit dem sicheren Gefühl, dass sie in der virtuellen Geschichte des Walking Dead-Universums weiterlebt. Das hätte mir gereicht. Vielleicht hätte man sie einige Jahre später im fortgeschrittenen Alter noch einmal einbauen können, aber in der aktuellen Situation merke ich, dass manche Dinge einfach nicht passen.

Die zweite Staffel hatte einige Höhepunkte. Ich sage nur der Hund und diese blöde Dose Bohnen – wie bedrückt war ich nach diesem Ereignis, das auch ohne Clementine bewegend gewesen wäre. Oder die intensiven Dialoge in der zweiten Episode A House Divided, die dich als Spieler forderten und zum Zuhören zwangen.

Warum funktioniert Clementine nicht mehr für mich?

Weil sie einfach kein Kind mehr sein kann, nicht sein darf. Clem wird in der zweiten Staffel immer mehr ihrem Alter entfremdet, was manchmal einfach unglaubwürdig wirkt. Sie muss auf einmal Seelsorge, Beziehungsberaterin, Heldin und Gruppenanführerin in einem sein. Die anderen Charaktere sind eigentlich nur noch dazu da, um Clementines Entscheidungen entgegenzunehmen. Sie können fast nichts selbst entscheiden und übernehmen kaum Verantwortung. Klar, Clem muss selbstständig werden und ist ein akzeptiertes Mitglied der Gruppe, aber leider wirkt es streckenweise etwas erzwungen.

The Walking Dead - Staffel 1 Telltale

In der ersten Staffel spielten wir Lee, der als Erwachsener der kleinen Clem half zu überleben. Clem ist mittlerweile etwas älter, aber nicht so alt, dass sie die Verantwortung der Heldin alleine stemmen könnte. Möglicherweise hätte man ihr wieder einen starken Part an ihre Seite stellen sollen, der ihre Entwicklung weiter begleitet und vielleicht auch die Launen eines pubertierenden Teenagers erleben und bewältigen muss – wenn man schon mit Clem unbedingt weitermachen möchte. Man hätte sie langsam als Protagonistin aufbauen können, denn momentan sind diese Fußstapfen einfach zu groß und das wirkt sich auch zum Nachteil auf die anderen Charaktere aus. Die Figur Clementine droht an der Größe der Rolle zu zerbrechen.

In der neuen Folge „Amid the Ruins“ hatte ich zumindest die Option Clementine die Verantwortung zu entziehen. „Oh Gott, was machen wir nur, gleichkommt das Baby! Was benötigt man bei einer Geburt?“ Keine Ahnung bin ich Hebamme? Kurzzeitig dachte ich, dass Clementine die Geburtshilfe alleine durchführen muss. Klar, Clem stürzt sich den Zombies entgegen während alle anderen (überspitzt formuliert) ängstlich hinter einem Stein hocken und gleichzeitig hilft sie noch ein Baby auf die Welt zu bringen…das kann doch nicht das Konzept sein, Telltale. The Walking Dead lebt von seinen Figuren, den zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen und den Dialogen. Alles litt in letzter Zeit etwas. Und obwohl ich mit der aktuellen Entwicklung nicht ganz zufrieden bin, fiebere ich immer noch jeder Episode entgegen, weil ich weiß, dass das Storytelling immer noch verdammt gut ist und die Geschichte trotz mancher Abwege spannend bleibt. Einfach weil das Produkt und seine Macher im Mittelmaß immer noch mehr Qualität auf die Beine stellen, als manch anderer Titel. Und vielleicht darf Clem endlich wieder mehr Kind sein, ihr und der Serie würde es gut tun!

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